Elisabeth Käsemann

elisabethDie Namensgeberin unserer Einrichtung, Elisabeth Käsemann, wurde am 11. Mai 1947 in Gelsenkirchen geboren. Ihre Schulzeit von 1954 bis 1966 verbrachte sie in Göttingen und Tübingen. Schon damals war sie politisch stark interessiert und engagiert. Nach dem Abitur studierte sie Soziologie und Politik am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin.

Ende September 1968 reiste sie für ein Praktikum nach Bolivien. Was sie dort in den Armenvierteln sah und erlebte, machte ihr klar, dass sie in Lateinamerika bleiben wollte, um gegen die Armut und Ungerechtigkeit zu kämpfen. 1971 ging sie nach Argentinien und arbeitete dort in den Slums von Buenos Aires. Sie leistete Sozialarbeit für Kranke und Bedürftige und erkannte, wie eng fehlende Bildung und Machtlosigkeit miteinander verknüpft sind. Sie teilte ihr Leben mit den Armen und Entrechteten und engagierte sich in der sozialistischen Arbeiterbewegung.

Unter der zunehmenden Gewalt der Militärdiktatur Argentiniens verschwanden und starben Tausende von Menschen. Als Mitglied einer oppositionellen Gruppe, die bedrohten Argentiniern half das Land zu verlassen, geriet auch Elisabeth Käsemann immer mehr ins Visier der Machthaber. Doch sie beschloss, trotz der drohenden Gefahr in Argentinien zu bleiben.

In der Nacht vom 8. auf den 9. März 1977 wurde Elisabeth Käsemann von den argentinischen Militärs in Buenos Aires entführt, in ein Folterzentrum gebracht und am 24. Mai 1977 erschossen. Sie war 30 Jahre alt, als sie starb. Am 16. Juni 1977 wurde sie in Tübingen beigesetzt.

1998 wurde in Deutschland die „Koalition gegen Straflosigkeit in Argentinien“ von Familienangehörigen deutscher Verschwundener gegründet. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass im Fall Elisabeth Käsemann 2001 erstmals drei Haftbefehle gegen ehemalige Angehörige der argentinischen Militärjunta von der Staatsanwaltschaft Nürnberg erlassen wurden. Auf den Haftbefehlen basierend stellte 2004 die damalige Bundesregierung Auslieferungsersuchen, denen jedoch nicht nachgekommen wurde.

Im Juni 2005 annullierte Argentinien die Amnestiegesetze, die bis dahin die Verantwortlichen von Menschenrechtverletzungen während der Militärdiktatur, vor Strafverfolgung schützten. Seitdem ist es allen Familienangehörigen der Verschwundenen möglich, in Argentinien Strafanzeige gegen die verantwortlichen Militärs zu erstatten. Aufgrund dieser Gesetzesänderung sind in Argentinien bislang fast 200 Täter verurteilt worden.

Im Februar 2010 wurde in Buenos Aires der Prozess gegen acht Verantwortliche des berüchtigten Folterlagers El Vesubio eröffnet, in dem auch Elisabeth Käsemann gefoltert und ermordet wurde. Am 14. Juli 2011 ergingen gegen die sieben noch lebenden Täter Haftstrafen zwischen 18 Jahren und lebenslanger Haft. Die Bundesrepublik Deutschland ist in diesem Prozess als Nebenkläger aufgetreten, ein bisher einmaliger Vorgang und ein Stück Wiedergutmachung. Diesem Schritt müssen nun Weitere folgen, das ehrliche Eingeständnis und die offizielle Entschuldigung der Bundesrepublik Deutschland für die Versäumnisse der deutschen Diplomatie während der argentinischen Militärdiktatur.

Das Mädchen – Was geschah mit Elisabeth K.?

Der Tod der Elisabeth KŠsemann

Ich brauche Menschen, deren Mut den meinen weckt.
Kurt Marti

Voller Spannung haben wir die Dokumentation „Das Mädchen – Was geschah mit Elisabeth K.?“ von Grimme Preisträger Eric Friedler verfolgt.

Die Interviews mit „Beteiligten“ und Zeitzeugen geben eindrücklich und in beklemmender Weise den damaligen Zeitgeist wieder und zeigen deutlich das gewollte Versagen der damaligen Bundesregierung. Durch ihre Untätigkeit trägt sie eine indirekte Mitschuld am Tod von Elisabeth Käsemann, der Namensgeberin unserer Einrichtung.

Es ist gut und wichtig, dass in diesem Film nachgehakt wird und unbequeme Fragen gestellt werden. Die Wahrheit ist in diesem “Fall“ schon längst überfällig.

Eine offizielle Entschuldigung der jetzigen Bundesregierung für die damaligen Versäumnisse und Entschuldigungen der noch lebenden Verantwortlichen, Genscher und Schmidt, würden den Schmerz der Angehörigen nicht lindern. Aber die Aufklärung der Umstände, ehrliche Schuldeingeständnisse und aufrichtige Entschuldigungen wären zumindest ein Akt des Anstands.

Und auch der DFB sollte Verantwortung übernehmen. Damals wurde weggeschaut. Und jetzt, einige Tage vor der WM in Brasilien? Wie äußert sich der DFB zu den Protesten im Gastgeberland gegen die hohen Kosten der WM? Die Protestierer fordern, das Geld sollte statt in Sportereignisse vielmehr in Bereiche wie Bildung und Gesundheit fließen.

Eine Meinung, die heute sicherlich auch Elisabeth Käsemann vertreten würde, wäre sie noch am leben.